Assoziationen zum Kiosk und gute – für unsere Anliegen vielleicht übertragbare – Argumente dafür:
Urban, bunt, vielfältig, vielstimmig, „kultig und kiezig“, auf der Ecke, Nahversorger, nachbarschaftlich, breites Old-School-Sortiment: Zigaretten, Alkohol, Süßigkeiten, Kaffee, Brötchen, fakultativ Lotto
sozialer Ort, Treffpunkt, große Schnittmenge verschiedener Menschen, Austausch und Information, ins Gespräch kommen (Kersten Knipp wird gefallen, was wir machen), Urban Gossip, Stadtgesellschaft
Früher reine Zeitungskioske, fast schon forensische Fundgruben für Zeitungen, Illustrierte, Magazine (meine Box-Magazine in den 90ern immer am Bahnhofskiosk gekauft), noch viel früher war der „kiosque“ ein Gartenpavillon, auch der ein Lernort des kultivierten Gesprächs, des Austauschs und der Annäherung
Kiosk alias Trinkhalle (Ruhrgebiet) alias Spätverkauf/Späti (Berlin) alias Wasserhäuschen (Frankfurt, weiß ich von Erich) alias Stützer (DDR, kenne ich über Stefan aus Thüringen)
Der Kiosk ist sowohl im Wortsinn als auch metaphorisch beziehungsreich, und nicht zuletzt deshalb –weil er eben exponiert ist – wird er auch gerne mal überfallen.
Kioske sind ein Projekt der Moderne, entstanden in der Zeit der industriellen Revolution Mitte des 19. Jahrhunderts, um Arbeiter mit Getränken zu versorgen. Der erste Supermarkt Deutschlands eröffnete 1957 in Köln. Wenn der Supermarkt die große Konsumerzählung ist, ist dann der kleine Kiosk, obwohl älter und de facto „vormoderner“, seine postmoderne Dekonstruktion? Ist der Kiosk Mehrwert – nicht nur, weil es so schön alliteriert – ein Projekt der Metamoderne? (alles nicht so völlig ernst gemeint, aber wir sind ja im Thema und wollen ins Gespräch kommen!)
Assoziationen zum Mehrwert:
Sind wir die Kinder von Marx und Coca-Cola? Mehrwert ist eine ökonomische Größe mit gesellschaftlichen, sozialen und kulturellen Implikationen. Pendelt unser Verständnis metamodern (komme da gerade nicht von weg) zwischen obligatorisch selbstironischer Brechung und unserem Verständnis des kulturellen Mehrwerts? Und wie sähe der aus? Versuch einer Annäherung in Austausch und Dialog über Aspekte wie Ästhetik, Erkenntnis, neuen Perspektiven, Differenz und ein breites Spektrum kreativer Interessen, die selbstverständlich gleichberechtigt nebeneinanderstehen: Kunst, Literatur, Boxen, Jazz und Hip-Hop, Architektur, Autos, Marken …
Manfred Luckas + Olaf Mextorf, Januar 2026